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Course Content (Syllabus)
Der Diskurstheoretiker Michel Foucault erklärt, dass jede Epoche ihr »privilegiertes Monster« hervorbringe – das Mittelalter den Tiermenschen, die Renaissance den Siamesischen Zwilling … Der Vampir allerdings hat ein besonders langes Leben: Er wandert von der Aufklärung über die Industrialisierung bis in die post-kapitalistische Gegenwart. Darüber hinaus ist er vielgestaltig und ein Wesen des Widerspruchs: tot und lebendig, blutleer und vollgesoffen, Mensch und Tier, jung und jahrhundertealt.
Im Seminar begegnen wir diesem Mischwesen in den unterschiedlichsten hoch- und pop-kulturellen Narrativen und Medien: Der Vampir sucht die Literatur heim, Volkslegenden, Bram Stokers Schauerroman »Dracula«, Erzählungen von Papadiamantis bis Antonis Travlantonis oder Dana Grigorceas zeitgenössischen Text »Die nicht sterben«. Zum anderen macht sich das Horrorkino immer neue Bilder vom Vampir, von Friedrich Wilhelm Murnaus »Nosferatu« (1922) bis zu Coppolas postmoderner Blutsauger-Phantasmagorie und den melancholischen Blutsauger-Teenagern der 2000er.
Unser Interesse gilt dabei besonders dem ökonomischen, dem geo- und biopolitischen Imaginären, das sich im Vampir verkörpert: Indem wir dem Monster von seinem »Geburtsland« Griechenland in das Herz Europas und zurück folgen, geht es vor allem um den wandelbaren Ausdruck einer kapitalistischen »Monsterologie«, das unheimliche Gesicht einer Klassen-, Kolonial- und Migrationsgesellschaft – und schließlich um die Frage, ob sich nach dem Kapitalismus vielleicht eine ganz andere Form des Zusammenlebens denken ließe, eine neue Politik jenseits der Abstammung, der Blutlinien und monströsen Hierarchien.