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Course Content (Syllabus)
Das 20. Jahrhundert lässt Lyrik in allen Formen gedeihen. Unter dem Titel »Grabschrift auf einen Floh« verfasst etwa Arnfrid Astel eines der knappsten Gedichte der deutschen Literatur: »Hier liegt / der springende Punkt.« Zur gleichen Zeit setzt sich Walter Höllerer leidenschaftlich für das Langgedicht ein und wendet sich gegen »die Einengung in abgegrenzte Kästchen« und das »Momentgebundene« der kurzen lyrischen Form, zumal sich das Langgedicht nicht allein »durch seine Ausdehnung von den übrigen lyrischen Gebilden« unterscheide, sondern besonders »durch seinen Umgang mit der Realität«. Indem es die unterschiedlichsten (und selbst die banalsten) Wahrnehmungen der Welt in sich vereint, indem es mit epischem Totalitätsanspruch Wirklichkeit, Geschichte und Politik vielgestaltig und vielstimmig rekonstruiert, indem es alle Normativen Regeln und Gattungsgrenzen überschreitet, lässt es alles bloß Subjektive hinter sich und zeigt sich bereits in seiner Form als eminent politisch …
Anhand ausgewählter Beispiele und in gemeinsamer Lektüre und Diskussion wird die Lehrveranstaltung den mannigfaltigen poetischen Anliegen und Verzweigungen des Langgedichts folgen. Dabei richten wir unser Augenmerk insbesondere auf Erzählungen in gebundener Sprache, Versepen, lyrische Essays und Gedichtcollagen der letzten Jahre (z.B. Hans Magnus Enzensbergers „Der Untergang der Titanic“, Durs Grünbeins „Vom Schnee“, Anne Webers „Annette, ein Heldinnenepos“, Björn Kuhligks „Die Sprache von Gibraltar“). Und nicht zuletzt werden wir die griechischen Übersetzer:innen dieser Texte in unser Seminar einladen, um von ihnen mehr über ihre Translationspraktiken und -absichten zu erfahren.